Geringwertig

Bei Strafverfahren wegen Diebstahls kann sich ein Anwalt besonders lohnen. Ich habe schon einige Male hinten im Saal gesessen und auf meine Sache gewartet. Dabei konnte ich dann staunend anhören, wie ein Angeklagter wegen schweren Diebstahls verurteilt wurde. Sei es, weil er für den Diebstahl eingebrochen ist, ein Auto geknackt hat oder “gewerbsmäßig” handelte (zum Beispiel um seine Drogensucht zu finanzieren).

Das ist an sich Alltagsgeschäft. Schwummerig wird einem als Verteidiger aber, wenn man dann mitbekommt, wie viel die Diebesbeute wert war. Ich erinnere mich an den vor drei Tagen gekauften Kuli, der angeblich 23 Euro kostete. An das drei Jahre alte Handy mit einem Neupreis von 99 Euro. Oder an eine Staffel der Simpsons für 43,99 Euro.

Bei allen Fällen hätte man sich gut gegen die Verurteilung wegen schweren Diebstahls wehren können, bei der nichts mehr unter einer Haftstrafe von immerhin drei Monaten läuft. Denn bei allen Gegenständen wäre die Frage berechtigt gewesen, ob es sich nicht um “geringwertige Sachen” im Sinne des Gesetzes handelt ...

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