Wenn aus Jägern Gejagte werden…

Heute berichtet Dr. Uwe Wolf für die Legal Tribune Online über die Tücken der herbstlichen Jagd mit interessanten Entscheidungen aus den Bereichen des Zivil- und Verwaltungsrechts, die „Abirrungen“ betreffen.

Der Begriff der Abirrung entstammt dem Bereich des Strafrechts, dort besser bekannt als aberratio ictus (lat. dem Fehlgehen des Wurfes). Mit dem Rechtsfigur der aberratio ictus wird folgende Konstellation beschrieben:

A möchte eine Person B töten (dann Tötungsdelikt; i.d.R. §§ 211, 212 StGB) oder eine Sache C zerstören (dann Sachbeschädigung, i.d.R. § 303 StGB), wobei Tiere – ob in Anlehnung an § 90a BGB oder aber mit einem originären strafrechtlichen Sachbegriff (so etwa OLG Karlsruhe NJW 2001, 2488 ff.) – ebenfalls als Sache in diesem Sinne anzusehen sind.

Mit dieser Absicht setzt A zur Schädigungshandlung an, durch äußere Umstände, etwa ein Wegrutschen des A, oder in der Person des A liegende Umstände, etwa das Fehlen des nötigen „Zielwassers“, wird letztlich D geschädigt. In Bezug auf die Verletzung von B und C wird eine Versuchsstrafbarkeit in Betracht kommen, in Bezug auf die Verletzung des D eine Strafbarkeit wegen fahrlässiger Schädigung. Ob eine Strafbarkeit des Versuchs in Einzelnen überhaupt möglich ist und ob der Fahrlässigkeitsvorwurf im Ergebnis durchgreift, bleibt einer Einzelfallprüfung vorbehalten.

Von dieser allgemeinen Ausgangssituation muss bei Jagd(un-)fällen eine genaue Prüfung der einzelnen Tatbestände erfolgen. Nehmen wir nun an, A wollte das Reh B(ambi) erlegen, trifft aber stattdessen den Menschen D(orfsherrif).

Soweit es den Tatbestand des § 303 Abs. 1 StGB betrifft, ist das Objekt, an dem die Beschädigungs- oder Zerstörungshandlung vorgenommen sein muss, eine fremde Sache. Ohne Probleme wird man B als Sache begreifen können. Problematischer sieht das Ganze mit der „Fremdheit“ aus. Jägern werden die nachfolgenden Ausführungen selbstverständlich erscheinen, Laien dagegen nicht ...

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