Der Wille des Kindes

Aus einer Entscheidung des Kammergerichts zum Umgangsrecht mit einem 16-Jährigen, der zwar Kontakt zu seinem Vater haben will, feste Umgangszeiten jedoch ablehnt.

Jedenfalls bei einem 16jährigen Jugendlichen kann in einer so ernsten und privaten Angelegenheit wie der Frage eines Umgangs mit seinem Vater nicht das Recht auf einen freien Willen abgesprochen werden. Entgegen der Auffassung des Vaters ist daher die von A. getätigte Äußerung in seiner persönlichen Anhörung vor dem Amtsgericht, wonach er zwar seinen Vater sehen will, aber selbst über Ort und Datum eines Umgangs bestimmen will, zu beachten. A. ist bereits aufgrund seines Alters und seiner Verstandesreife ohne weiteres in der Lage einen derartigen Willen zu bilden. Anhaltspunkte für Einschränkungen einer derartigen Willensbildung ergeben sich nicht. Der Wunsch des Sohnes ist auch durchaus nachvollziehbar. Abgesehen davon, dass Jugendliche in diesem Alter vielfältige andere Interessen haben und gerade die Wochenenden häufig lieber mit Gleichaltrigen als mit dem von ihnen getrennt lebenden Elternteil verbringen, möchten die Jugendlichen zumindest selbst bestimmen können, wann sie den anderen Elternteil sehen können und lehnen starre Regelungen gerichtsbekanntermaßen häufig ab. A. hat seine Entscheidung zudem – wie der im Beschluss des Amtsgerichts wiedergegebenen Anhörung zu entnehmen ist – nachvollziehbar mit dem schwierigen und durch die Ereignisse in der Vergangenheit sehr belastenden Verhältnis zum Vater begründet. Er hat ebenso wie sein Bruder eine ganz offensichtlich mit viel Streit einhergehende Trennung der Eltern erlebt, die tiefe Spuren bei A. hinterlassen hat. Der mehrmalige Aufenthaltswechsel der Kinder im Rahmen der Trennung – Mutter/Vater/Mutter – macht deutlich, dass die Kinder in den Trennungskonflikt der Eltern massiv hineingezogen worden sind ...

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