Das Kleingedruckte und die Bankenhaftung

Am 15.9.2008 meldete die Lehman Brothers Holdings Inc. Insolvenz an. Die Zertifikate der Lehman-Banken verloren erheblich an Wert. Das gleiche Schicksal traf im Zuge der sich anschließenden Banken- und Finanzkrise auch Wertpapiere anderer Banken und Kapitalgesellschaften. In der Folge versuchen viele Anleger nun, ihren Verlust auf gerichtlichem Weg ihrer Bank aufzubürden. 250 dieser Fälle hatte bislang auch das Landgericht Osnabrück zu entscheiden.

Allerdings: In keinem der Fälle, die das Landgericht Osnabrück im Zusammenhang mit der Lehman-Pleite bislang zu entscheiden hatte, konnten die Anleger ihrer Bank oder Sparkasse eine Pflichtverletzung nachweisen. Ein solcher Nachweis aber ist Voraussetzung für einen Schadensersatzanspruch. Denn: Grundsätzlich trägt der Kunde die Darlegungs- und Beweislast, dass eine Bank gegen ihre Aufklärungs- und/oder Beratungspflicht verstoßen hat.

Einen typischer Osnabrücker “Lehman-Fall”, bei dem die Berufung gegen das Osnabrücker Urteil zwischenzeitlich vom Oberlandesgericht Oldenburg rechtskräftig zurückgewiesen wurde: Eine Klägerin hatte 10.000,00 € in Alpha-Express-Zertifikaten der Lehman Brothers investiert. Dieses Zertifikat beruhte auf dem DivDAX-Index, der 15 Unternehmen des DAX-Indexes enthielt, die ihren Aktionären die höchsten Ausschüttungen zukommen ließen, und der Erwartung, dass der DivDAX-Index im Normalfall eine höhere Wertentwicklung aufweist als der DAX-Index. Auch bei fallenden Kursen sollten die Anleger von diesem Zertifikat profitieren, solange nur der DivDAX-Preisindex eine bessere Entwicklung aufwies, als der DAX-Index.

Bei dem Beratungsgespräch hatte die Bankberaterin der Klägerin eine Produktinformation über das Alpha-Express-Zertifikat ausgehändigt. Darin wurden auf insgesamt 15 Seiten die Funktionsweisen dieses Zertifikats und die mit ihrem Erwerb verbundenen Risiken angesprochen ...

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