Untersuchungshaft als Ersatzstrafe?

Drei Fälle aus dem Jahr 2009 hier in Berlin haben mich zum Nachdenken gebracht. Sie kommen alle aus dem Umfeld (vermeintlich) linksextremer Straftaten.

Da seien zunächst die Prozesse gegen Alexandra und Christoph zu bemerken: beiden wurde vorgeworfen, Autos angezündet zu haben. Alexandra ist inzwischen freigesprochen worden, das Verfahren von Christoph unterbrochen – wegen schwerer ermittlungstechnischer Pannen. Alexandra war 5 1/2 Monate in Untersuchungshaft, Christoph auch ungefähr 5 Monate.

Ein anderer Prozess läuft noch – hier werden unter stärker werdender öffentlicher Kritik zwei Jugendliche seit über 7 Monaten in Untersuchungshaft gehalten. Ich hatte darüber schon geschrieben. Bernd Matthies vom Tagesspiegel schreibt:

Die Gefahr ist groß, dass die nun schon sieben Monate dauernde Untersuchungshaft am Ende klammheimlich als Ersatzstrafe fungiert, um der Öffentlichkeit wenigstens irgendein Ergebnis präsentieren zu können.

Darüber hatte ich auch schon nachgedacht. Gerade hier in Berlin lechzen alle Medien danach, dass nun endlich ein Brandstifter, Autonomer, Chaot, Hassbrenner oder was der Boulevardpresse dann noch einfällt verurteilt wird. Dankbar nimmt sie auch bei kippenden Prozessen die Untersuchungshaft wahr:

Der Pankower T. (22) schmort seit drei Monaten im Knast.

Ich habe das Gefühl, die Berliner Richter gehen in ihrem Beurteilungsspielraum, den sie in Sachen Untersuchungshaft haben, knallhart vor. Besonders beim Prozess von Yunus und Rigo ist gut zu sehen, wie trotz der Proteste der linken/links-liberalen Presse sich einem Druck aus Öffentlichkeit und Politik gebeugt wird – man möchte für diesen besonders krawallträchtigen Ersten Mai auch jemand bestraft sehen ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK