“Nein, wir unterbrechen nicht!”

Hier kommt der zweite Teil meines Koblenz-Rapports vom gestrigen Montag: Die Aussage von Aleem N.

Mit knapp zweistündiger Verspätung wurde er in den Verhandlungssaal geführt. Er trug über seinem Pullover im College-Look eine weiße Daunen-Ski-Jacke (wie sie Yannick bei Dr. Yousif erinnerte) und war an Händen und Füßen gefesselt. Unter dem Arm trug er einen Ordner mit Unterlagen; in seiner Begleitung kam Rechtsanwalt Axel Nagler als beigeordneter Zeugenbeistand, der im Sauerlandverfahren Atilla Selek verteidigt. In den kommenden Stunden sollte Axel Nagler vor allem die Rolle des Schlichters übernehmen.

Schon kurz nach der Belehrung durch die Vorsitzende (”Natürlich möchte ich Angaben machen!”) wurde es laut: Aleem N. sollte die Fragen des Gerichts beantworten - wollte aber viel lieber die “zahlreichen Lügen” seines Stiefsohns behandeln. Dazu hatte heftete er zahlreiche handbeschriebene Seiten aus seinem Ordner und wollte mit Hilfe dieser Aufzeichnungen “die Punkte” abarbeiten, die er zu kritisieren hatte. Offenkundig war ihm zunächst egal, dass das Gericht eine andere Vorstellung vom Ablauf der Verhandlung hatte - und ebenso schien ihm nicht klar zu sein, dass an seinem eigenen Urteil allenfalls der Bundesgerichtshof im Revisionsverfahren etwas ändern kann. Doch Aleem N. war von seiner Mission ergriffen, “klarzustellen” - und so kam es nach wenigen Minuten zu lautstarken Auseinandersetzungen zwischen ihm, der Vorsitzenden und Staatsanwalt Bodo Vogler. Die Sitzung wurde unterbrochen. Aber wie sie unterbrochen wurde, war symptomatisch:

Vorsitzende: “Wir unterbrechen die Verhandlung!”

Aleem N.: “Nein! Wir unterbrechen nicht!”

Axel Nagler gelang es in der Pause, Aleem N. zur Räson zu bringen. Erst werde er die Fragen des Gerichts beantworten, dann wolle er aber noch “klarstellen”.

Und Aleem N. antwortete ...

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