Welche Ziele hat der Mandant?

In der Mediation oder bei Veranstaltungen, in denen wir Mediation vorstellen aber auch sonst fällt immer wieder auf, dass bei Mandatsannahme vom Rechtsanwalt zwar ausführlich der Sachverhalt mit dem Mandanten erörtert wird, aber nicht gemeinsam festgelegt wird, welches Ziel erreicht werden soll und auf welchem Weg. Bei einfachen Inkassomandaten spielt diese Frage sicherlich keine entscheidende Rolle. Interessant wird es jedoch bei komplexeren Mandaten wie etwa einer Trennung/Scheidung mit allen Fragen, die in diesem Zusammenhang zu klären sind.

Als Anwalt neigt man dazu, bei der Schilderung des Mandanten die verschiedenen Schubladen wie Unterhalt, Sorgerecht, Umgangsrecht etc. aufzuziehen und das Mandat dort zuzuordnen, ohne den Mandanten zu fragen, was er überhaupt erreichen will und welche Vorstellungen er hat. Ich staune oft, wenn dann die Betroffenen erklären, dass der Anwalt das so gemacht hat und man das eigentlich überhaupt nicht wollte, zumindest nicht in dieser Form.

Es ist daher notwendig, beim Eingangsgespräch für ein neues Mandat mit dem Mandanten eine klare Vereinbarung zu treffen, was der Mandant erreichen will. An dieser Stelle können dann auch gleich eventuelle überzogene Vorstellungen des Mandanten zurechtgestutzt werden (z.B. bei der Höhe des zu erwartenden Schmerzensgeld). Zudem sollte auch der Weg zu dem erwünschten Ziel erörtert werden. Wer z.B. für sich das alleinige Sorgerecht für ein Kind erstreiten will, muss wissen, dass er hier ohne das Waschen dreckiger Wäsche nicht auskommt. Wer das nicht will, muss sich von dem Ziel verabschieden. Das erhoffte „wasch mich aber mach mich nicht nass“ kann auch der beste Anwalt nicht versprechen ...

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