Steuerrecht: Beteiligung eines berufsfremden Gesellschafters an der Obergesellschaft bei doppel-stöckigen Freiberufler-Personengesellschaften führt zur gewerblichen Infektion der gesamten Freiberufler-Gruppe

Unter zwei verschiedenen Blickwinkeln hat der BFH mit seinem Urteil vom 28.10.2008 - VIII R 69/06 einer interprofessioneller Freiberufler-Personengesellschaft die freiberuflichen Einkünfte versagt und stattdessen sämtliche Einkünfte der Personengesellschaft als gewerblich eingestuft und der Gewerbesteuer unterworfen.

Sowohl

unter dem Gesichtspunkt der Beteiligung eines - im Streitfall sogar nur geringfügig beteiligten - berufsfremden Dritten

als auch

unter dem Gesichtspunkt der Doppelstöckigkeit der Personengesellschaften, wenn an der Obergesellschaft auch nur ein einziger berufsfremder Dritter beteiligt ist,

machte der BFH die Gewerblichkeit fest.

Da durch das umfangreiche BFH-Urteil beide trennbare Problemkreise angesprochen sind, haben wir die Kommentierung dieses für alle interdisziplinären bzw. interprofessionellen Freiberuflersozietäten wichtigen Urteils der besseren Übersichtlichkeit halber in zwei separate Kommentierungen aufgespalten und getrennt auf dieser Internetseite eingestellt.

Die vorliegende Kommentierung greift nur den zweiten angesprochenen Problemkreis der gewerblichen Infizierung aller Einkünfte doppelstöckiger Freiberufler-Personengesellschaften auf.

Der Fall (vereinfacht wiedergegeben)

Obergesellschaft war eine Ingenieur-Partnerschaftsgesellschaft. Sie war mehrheitlich an verschiedenen Ingenieur-Standortgesellschaften (Untergesellschaften) beteiligt. Die Höhe ihrer Beteiligung an der hier betroffenen Standortgesellschaft, der E GbR, betrug 67 %. Neben der Partnerschaftsgesellschaft waren sieben natürliche Personen Gesellschafter der E GbR, im Wesentlichen Ingenieure.

Gesellschafter der Partnerschaftsgesellschaft als Obergesellschaft waren insgesamt sechs natürliche Personen. Fünf von ihnen waren Ingenieure, der sechste, mit 5 % beteiligte Gesellschafter war der Diplom-Kaufmann (S).

Die Ingenieur-Gesellschafter waren auf der Ebene der Partnerschaft tätig ...

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