Warum keine Amnestie?

Von Klaus Jünschke

Täglich kann man in den Medien eine Auswahl dessen lesen, was Jugendliche am Vortag angerichtet haben. In der Regel handelt es sich dabei um Nachrichten aus dem zuständigen Polizeipräsidium, die entweder wortwörtlich oder leicht redaktionell bearbeitet dem Publikum serviert werden. Größere Zeitungen, wie z.B. der Kölner Stadt-Anzeiger und die Kölnische Rundschau leisten sich Polizeireporter, die sich mehr oder weniger offen als Sprachrohr der Polizei betätigen und das, was ihnen die täglichen Polizeinachrichten liefern, journalistisch aufmotzen. Sie prägen unser Bild von Kriminalität, sie impfen uns täglich ein, dass es sich bei der Kriminalität um eine charakteristische Eigenschaft von bestimmten sozialen (Rand-) Gruppen handelt: Kinderkriminalität, Jugendkriminalität, Ausländerkriminalität.

Die Flagschiffe des bundesdeutschen Journalismus leisten sich Gerichtsreporter. Zu den bekanntesten zählen der verstorbene Gerhard Mauz vom Spiegel und seine Nachfolgerin Gisela Friedrichsen. Die linke Zeitschrift „konkret“ machte die Gerichtsreportagen von Peggy Parnass bekannt. Während die Polizeireporter die Polizei begleiten, wie ausgewählte Kriegsberichterstatter die Armeen bei ihren Kriegszügen – „embedded“ –, bemühen sich die GerichtsreporterInnen um Distanz zum Polizei-Justiz-Apparat und analysieren Tat und Täter aus ihrem gesellschaftlichen Zusammenhang. Ihre besten Texten entstanden als Gesellschaftskritik populär war.

Nach Polizei und Gericht ist die dritte Stufe im Prozess der Kriminalisierung nicht eigens durch journalistische Spezialisten vertreten. „GefängnisreporterInnen“ gibt es nicht.

Dieses strukturelle Defizit könnte mit ein Grund dafür sein, warum es keine einzige kritische Auseinandersetzung mit den Vorschlägen von Justizministerin Müller-Piepenkötter gibt.

Günther W. Wiedemann beispielsweise kommentierte am 21.11 ...

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