Aussetzung nach Beweisantrag

In der letzten Woche war ich als Vertreter der Nebenklage für mehr als drei Stunden in einem Strafprozess gegen einen Heranwachsenden anwesend. (Exkurs: Bei Jugendlichen ist die Nebenklage nicht zulässig, bei Heranwachsenden ist zwar die Nebenklage, aber das so genannte Adhäsionsverfahren wiederum nicht zulässig.)

Mein Mandant machte eine Aussage, nachdem er brav während der Einlassung des Angeklagten draußen gewartet hatte, die alle Beteiligten wegen der detailtreue und der Unbefangenheit seiner Worte stark beeindruckt hatte. Während einer Verhandlungspause beim “dealen” würdigte der um die 40 Jahre alte Richter die Aussage als eine der besten Zeugenaussagen, die er im Laufe seiner juristischen Karriere gehört hatte - merkte jedoch an, dass er mit dem Nebenkläger kein Bier trinken würde. Als der Angeklagte das Wort nach der Aussage bekam und sich beim Nebenkläger für sein Verhalten zunächst floskelartig entschuldigte, meinte mein Mandant der Nebenkläger lautstark, eine halbherzige Entschuldigung könne er nicht annehmen, er solle mit der Wahrheit rausrücken. Da knisterte es vor Spannung im Saal. Tatsächlich schien es so, als wolle der Angeklagte nun alles gestehen. Doch dann intervenierte der smarte Rechtsanwalt, der als Pflichtverteidiger bestellt war, mit einer Zwischenfrage und die Situation war (leider) geklärt und entschärft. Meine Meinung nach, wäre es aus erzieherischen Gründen wohl besser gewesen, wenn der Rechtsanwalt dem 20 Jahre alten Angeklagten nicht das Wort entzogen hätte ...

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